Qigong (auch als Qi Gong geschrieben) bedeutet frei übersetzt „Energie Arbeit“ oder auch „Arbeiten mit der Lebenskraft“. Es ist eine traditionelle chinesische Praxis die Atem, Meditation, und in vielen Fällen Bewegung, zu einer ganzheitlichen Methode zur Verbesserung der Gesundheit kombiniert.
Qigong hat verschiedene Anwendungsbereiche, die sich in der Praxis oft überschneiden. Diese Anwendungsbereiche sind:
- Medizinisches Qigong
- Kampfkunst Qigong
- Spirituelles Qigong
Medizinisches Qigong ist am weitesten verbreitet und ein anerkannter Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Hierbei werden sanfte Bewegungen in Synchronisierung mit der Atmung eingesetzt um die Energien im Körper zur Harmonisieren. Medizinisches Qi Gong verwendet Wissen aus der 5-Elemente-Lehre bzw. den fünf Wandlungsphasen und ist für Menschen jedes Alters und beinahe unabhängig von deren Fitnessgrad anwendbar.
Kampfkunst Qigong hat einen wesentlich größeren Trainingseffekt und hat die Stärkung des Körpers, für Kampfkunst oder sportliche Disziplinen, zum Ziel. Hier wird mit wesentlich mehr Kraftaufwand gearbeitet und Praktizierende gehen an die Grenzen ihres Potentials um dieses zu erweitern, daher fühlt sich Kampfkunst Qigong eher an wie Training, anstatt Gymnastik.
Der dritte große Anwendungsbereich ist die spirituelle Suche. Sowohl Chan Buddhisten, die Daoisten (früher auch als Taoisten geschrieben), als auch Anhänger der Konfuzianismus nutzen die meditativen Aspekte des Qigong zur Annäherung an den Idealzustand ihrer jeweiligen spirituellen Traditionen.
Die Bedeutung von „Qi Gong“
Qi ist das chinesische Wort für „Lebensenergie“. Es gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als Kraft die alle Lebewesen durchströmt. Ein starker Fluß von reinem Qi, ohne Verschmutzungen und Blockaden, ist dabei gleichbedeutend mit Gesundheit. Ist das Qi verunreinigt, zu wenig oder kann nicht frei fließen, ist der Körper geschwächt oder krank.
Gong heißt „Erfolg durch Ausdauer und Übung“, oder einfacher „Arbeit“. Gong impliziert regelmäßige Anwendung und Beschäftigung mit der Materie. Die langfristige Kultivierung der Übungen und Meditationen führt zum Ziel.
Qigong ist die Kunst und Wissenschaft um die Kultivierung, Verbesserung und Reinigung der Lebensenergie.
Ken Cohen, Autor von „Qigong: Grundlagen, Methoden, Anwendung„
Wirkung von Qigong
Die verschiedenen Praktiken des Qigong stärken und verbessern den Fluss des Qi, das als Lebenskraft oder Energie verstanden wird, die durch den Körper fließt. Durch regelmäßiges Qigong-Training können Praktizierende eine bessere Durchblutung und gesteigerte Energielevels erreichen, was oft mit einem verbesserten allgemeinen Wohlbefinden und einer höheren Lebensqualität einhergeht. Studien zeigen, dass Qigong dazu beitragen kann, Stress abzubauen, den Blutdruck zu senken und das Immunsystem zu stärken, indem es den Körper in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt.
Darüber hinaus wird Qi Gong für seine präventiven und therapeutischen Eigenschaften geschätzt. Es wird angenommen, dass die Praxis nicht nur zur Erhaltung der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens beiträgt, sondern auch spezifische gesundheitliche Herausforderungen wie chronische Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen positiv beeinflussen kann. Die Kombination aus Bewegung, Atmung und Konzentration fördert die Selbstwahrnehmung und Selbstregulierung, was Qigong zu einem wirksamen Werkzeug für die Gesundheitspflege macht. Indem es hilft, den Geist zu beruhigen und den Körper zu stärken, bietet Qigong eine wertvolle Ressource für diejenigen, die eine ganzheitliche Herangehensweise an Gesundheit und Wohlbefinden suchen.
Im Rahmen kampfkunstnaher Überlieferungen, wird Qigong auch als effiziente Trainingsmethode zur Kräftigung und Dehnung des Körpers bei gleichzeitiger Entwicklung von Standfestigkeit und Balance genutzt. Die King Mui Version der 18 Luohan Form ist ein Beispiel für diesen Einsatz von Qigong.
Verschiedene Überlieferungen und Authentizität
Der Begriff Qi Gong wird erst seit den 50er Jahren verwendet und fasst eine Reihe von Methoden zusammen, die verschiedene Ursprünge haben. So finden sich unter dem Mantel Qigong Übungen die früher unter anderem Daoyin, Xingqi, Tugu Naxin oder Yangsheng hießen. Manche Praktizierende setzen auch Qigong und Neigong (was frei übersetzt Innere Arbeit bedeutet) gleich.
Dabei unterscheiden sich die überlieferten Methoden teilweise stark. Dies führt innerhalb und außerhalb der Qigong-Community immer wieder zu Diskussionen über Authentizität und Wirkung von verschiedenen Überlieferungen des Qigong. Kein Wunder, da hier Praktiken mit unterschiedlichen Zielsetzung und unterschiedlichem Ursprung verglichen werden.
Echt oder nicht?
Als Beispiel möchte ich hier das Spiel der Fünf Tiere und die bereits erwähnte 18 Luohan Form nutzen. Das Spiel der Fünf Tiere – im chinesischen Wuqinxi – wird dem Arzt Hua Tuo zugeschrieben. Dieser lebte im Zeitraum von 100 bis 200 n. Chr. Viele vermuten, dass die Praxis älter ist und ihre Ursprünge in chinesischen Schamanentänzen hat, die bis zu 4.000 Jahre zurückgehen.
Die Ursprungsgeschichte der 18 Luohan bezieht sich auf Boddhidharma, den ersten chinesischen Patriarchen des Chan-Buddhismus. Dieser soll die Form an die Mönche des Shaolin-Klosters übergeben haben. Die Ankunft von Boddhidharma im Shaolin-Kloster in Henan wird auf 527 n. Chr. datiert. Boddhidharma war ein Buddhist aus Indien und die Techniken, die er unterrichtet hat, haben ihren Ursprung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der yogischen Tradition.
Damit hätten diese beiden Formen, obwohl sie beide Qigong sind, unterschiedliche Ursprünge und Wirkmechanismen. Die daraus resultierende Diskussion über „echtes“ und „unechtes“ Qigong basiert, meiner Meinung nach, auf einem mangelnden Verständnis des gesamten Themenkomplexes.
Zusätzlich wurden sämtliche Methoden über Jahrhunderte vermittelt und erfuhren während dieser Zeit Änderungen. Manche davon unbeabsichtigt, manche aus Unverständnis, und manche Lehrer verbesserten das Material ihrer Vorgänger. In den 1950er Jahren wurde Qigong als Kulturerbe und präventive medizinische Maßnahme von der chinesischen Regierung stark gefördert, teilweise standardisiert und in die Welt hinaus getragen.
Heute ist es daher schwer nachvollziehbar, welche Formen genau erhalten geblieben sind und als authentisch betrachtet werden können. So gibt es beispielsweise verschiedene Versionen der 18 Luohan, die kaum Gemeinsamkeiten haben. Dies trifft auch auf zahlreiche andere Formen und erst recht auf die Details und Feinheiten der inneren Arbeit mit dem Qi selbst zu.
Die Entwicklungsstufen im Qigong
Im Folgenden erläutere ich den Ablauf meines Lehr- und Unterrichtskonzeptes. Dieser Ablauf ist in vielen Traditionen verbreitet.
- Körperliche Übungen zur Vorbereitung und Harmonisierung von Körper und Geist.
- Entwicklung der Achtsamkeit und der Wahrnehmung für körperliche Prozesse.
- Entwicklung der Achtsamkeit und der Wahrnehmung für energetische Prozesse.
- Lenkung dieser Prozesse zur körperlichen Optimierung oder zur spirituellen Suche.
Im Chan-Buddhismus und Daoismus werden Körper und Geist nicht als getrennt wahrgenommen. Um Meisterschaft in einem der beiden zu erlangen, ist auch die Pflege und Kultivierung des anderen vonnöten. Der Geist repräsentiert in diesem Zusammenhang das Yin, der Körper das Yang.
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